Sanft Reisen - Sanfter TourismusA) Geschichte und Konzept des Projektes: Das Projekt „Begegnung mit Böhmen“ ist 1990 im Rahmen einer von Dr. Erwin Aschenbrenner beantragten Pro-jektstelle beim Evangelischen Bildungswerk Regensburg entstanden und aufgebaut worden. 1995/1996 war der Verein „Grünes Herz Europas - Nationalparkregion Donau-Moldau“ Träger des Projektes. Ziel war es, im Nachbarland Tschechoslowakei (später Tschechien und Slowakei) dem vom Devisengefälle gepräg-ten Tagestourismus (vom Einkaufs- bis zum Prostitutionstourismus) sanfte Reisen entgegenzusetzen. Das Reiseprojekt begann 1990 mit 3 Radtouren im Böhmerwald. Inzwischen sind es über 100 einwöchige Reisen pro Jahr in ca. 20 verschiedene Gebiete Tschechiens. Schwerpunkte sind Radeln, Skiwandern und Kultur-Reisen (LiteraTouren, Musik- und Themenreisen). Daneben Eltern-Kind-, Wander-, Schneeschuh- und Kanu-Touren. Seit 1998 ist „Begegnung mit Böhmen“ ein selbständiges
„kommerzielles“ Projekt (Gewerbeanmeldung: „Veranstalter
von Bildungs- und Begegnungsreisen“), arbeitet aber weiter eng
mit dem Evangelischen Bildungswerk Regensburg (und anderen Bildungs-
und Naturschutz-Einrichtungen) zusammen. Der Einstieg 1990 und auch noch die Arbeit bis heute war konfrontiert mit dem Problem, dass es in Tschechien kaum eine Infrastruktur gibt, die einen sanften Tourismus fördern könnte. Es gibt weder Fremdenverkehrsgemein-den noch Tourismusverbände. Und die tschechische Tourismuszentrale im großen Prag war (und ist) weit weg und vor Ort in den ländlichen Gebieten weder sichtbar noch ansprechbar. So galt es (und gilt es weiterhin), die wenigen Möglichkeiten für entsprechende sanfttouristische Reiseangebote erst zu suchen oder zu schaffen. Dabei sind die faszinierenden Ur- und Kulturlandschaften Böhmens für einen sanften Tourismus (Wandern, Ra-deln, Skilanglauf und alltagsnahe Kulturreisen) geradezu ideal. (Dies war auch Grund, warum die renommierte Böhmerwald-Region von den „Naturfreunden International“ zur Landschaft des Jahres 1999/2000 prämiert wurde.) Bei allen Reisen achten wir darauf, vor Ort in einheimischen Unterkünften
zu übernachten, wobei weniger der Komfort als die naturnahe und
kulturnahe Atmosphäre der Pensionen und Hotels eine Rolle spielt. B) Sanfter Tourismus: 12 Aspekte1. Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und Naturschutzverbänden: Insgesamt haben wir seit 1990 für bzw. gemeinsam mit über 30 Volkshochschulen, kirchlichen Bildungswerken und Ökoverbänden (LBV, BUND, VCD, Grünes Herz Europas) Reisen veranstaltet. 2. Kulturprogramm: Neben den Reisen organisieren wir seit 10 Jahren für Bildungseinrichtungen auch Tagun-gen, Vortragsreihen und Podiumsdiskussionen. Wir bieten eine eigene, von uns zusammen mit dem Künstler und Fotografen Franz Bauer konzipierte Ausstellung an: „Böhmische Dörfer: Bilder aus Kultur- und Zeitge-schichte“. Ferner Dia-Shows mit Musik,Vorträge und Leseabende (v.a. mit dem LiteraTour-Begleiter Arthur Schnabl). Zu unserem klassischen Reisegebiet hat Erwin Aschenbrenner einen Radreiseführer geschrieben (der freilich bereits vergriffen ist): Böhmerwald und Moldautal (Pietsch-Verlag). Neuere Beispiele: Im Winter 2000/2001 fanden zum „Zehnjährigen“ des Projektes im EBW Regensburg über 10 Veranstaltungen der Literarischen Reihe „Böhmische Erinnerungen“ statt, u.a. mit Pavel Kohout, Peter Brod, Peter Härtling, Lenka Reinerova ... Im Winter 2002/2003 fand erneut eine Reihe von Lesungen und Kur-sen statt zu den Themen Sprache, Küche, Literatur, Ökologie, Musik, u.a. mit Rainer Kunze, Arthur Schnabl und Radka Neuilová. Ende 2003 gibt es eine kleine Reihe zum Thema Literatur und Küche Böhmens. 3. Prospektmaterial: Äußerst papiersparend
ist unser Gesamtprogramm (informativer Konzept- und Termin-überblick)
auf DIN A3-Faltblatt. Zum Gesamtprogramm kamen bisher ähnlich konzipierte
Einzelprogramme zu jedem Reisetyp. Ab 2004 gehen wir wegen der insbesondere
von Stammkunden geforderten Übersichtlich-keit nun aber doch den
„normalen“ Weg mit einem Reisekatlaog. (Erstausgabe Dez.
03) 5. Kleine Reisegruppen: Die durchschnittliche Größe unserer Reisegruppen war insgesamt 11 Personen. (Diese Zahl wuchs freilich stetig: 2003 waren es durchschnittlich 13,8 Personen.) Bei fast allen Reisen haben wir als Maximalteilnehmerzahl 19, bei Kultur-Reisen (trotz zwei Reisebegleitungen) meist sogar nur 16 . 6. Anreise per Bahn: Wir empfehlen die Anreise per Bahn und informieren unsere TeilnehmerInnen dazu. 80% kommen auch mit der Bahn. Treffpunkt der Reisen sind jeweils die Bahnsteige des einfahrenden Zuges (meist ein Grenzbahnhof). Nicht die Bahnfahrer müssen dann zu einem Treffpunkt am Parkplatz vor dem Bahnhof, sondern die Autofahrer müssen zum Treffpunkt am Bahnsteig. Eine Diplomarbeit über sanften Tou-rismus hat herausgefunden, daß wir der einzige Reiseveranstalter in der BRD sind, bei dem die Reisen fast durchgehend mit der Einfahrt eines öffentlichen Verkehrsmittels beginnen. Mit viel „Überredungskunst“ auf politischer Ebene konnten wir es 1998 durchsetzen, daß die dortige Regental-bahn in den Sommermonaten samstags für Radfahrer einen zusätzlichen Waggon anhängt. (Eine kleine ökolo-gisch positive Wirkung über das Reiseangebot hinaus, die nun bereits mehrere Jahre anhält.) 7. Reisepreis erst nach der Reise: Wir sind wohl einer der ganz wenigen Reiseveranstalter in der BRD, der den Reisepreis erst nach der Reise abbucht. (Ausnahme ist nur, wenn von den ReiseteilnehmerInnen ausdrücklich Überweisung gewünscht wird.) - Und unsere Reisepreise sind trotz intensiver und aufwendiger Erkundung und Begleitung und trotz Kleingruppen für die meisten Bundesbürger noch gut erschwinglich. 8. Spezialgebiet Tschechien: Obwohl uns viele RadreiseteilnehmerInnen drängen, auch mal andere Reisegebiete ins Programm zu nehmen, bleiben wir mit absolutem Schwerpunkt in Böhmen und Mähren. Wir wollen das Land, das wir vermitteln, intensiv kennen. Und Tschechien liegt uns in vielfacher Hinsicht nahe. Es ist unser Nachbarland, wir waren von Anfang an von Landschaft und Leuten fasziniert, wir kennen die schönsten Orte inzwischen wie unsere eigene Westentasche und haben uns in die hochinteressanten landeskundlichen Themen intensivst eingearbeitet. Vor allem aber haben wir freundschaftliche Kontakte zu kompetenten und engagierten Menschen vor Ort. Dies alles ist notwendiger Hintergrund für Kompetenz und Begeisterung, die wir gemäß ei-genem Anspruch in unsere Reiseangebote einbringen wollen. Neu: Ab 2004 werden wir unsere Aktivreisen an unsere langjährigen tschechischen Partner abgeben, die dann für Rad, Wandern, Ski etc. die Veranstalterrolle übernehmen. Wir selbst wollen den Schwerpunkt „Kultur-Reisen“ verstärken und erweitern. Deswegen gehen wir damit - freilich sehr langsam, schon seit 2002 - in neue östliche Nachbarländer. Zumal wir dort großartige Reiseleiter kennengelernt haben. 2004 finden Litera-Touren in Brandenburg und in Nordpolen (Danzig und Masuren) statt, eine Themenreise „Judentum“ in Ostpo-len und zwei Kulturwanderreisen in der Slowakei. (Über 90% der Reisetermine bleiben aber in Tschechien.) 9. Referenten: Neben den engagierten Reisebegleitern setzen wir fast bei jeder Reise mindestens 2 fachkundige ReferentInnen zu regionsnahen, oft alltagskulturellen Themen (von Goldwaschen bis Dorfpolitik) ein. 10. Intensive Reiseerkundung und -begleitung: Alle Reisegebiete und Reisethemen sind von Erwin Aschenbrenner mit seinen Partnern zusammen erkundet worden. Bis 1995 begleitete er alle Reisen selbst. Nun ist er zumindest bei jedem neuen Reisetyp bei der Erkundung und dem erstem Reisetermin dabei, kennt also als verantwortlicher Veranstalter und Kundenberater jede Reise mit ihren Schönheiten und möglichen Problemfeldern. Alle Reisebegleiter sind intensiv (meist über Jahre) bei den jeweiligen Reisetypen eingearbeitet und stehen en-gagiert hinter dem besonderen Reise- und Begegnungskonzept. (2001 bekam der Hauptpartner Ing. Jaroslav Neuil zusammen mit E. Aschenbrenner für die Begegnungs-Arbeit den deutsch-tschechischen „Preis der Hoffnung und Verständigung“ gemeinsam von Grünen in Westböhmen und Grünen + ÖDP in Ostbayern.) 11. Der Weg als Ziel: Unser Konzept besteht nicht im Verschlingen möglichst vieler attraktiver Reiseziele, son-dern im langsamen Er-Fahren und Er-Fassen landestypischer, eigentümlicher Dinge. Intensität statt Quantität. 12. Nachhaltiges Erleben: Nicht die Sensationssuche
des Massentourismus steht im Mittelpunkt, sondern das Un-scheinbare,
die Details am Weg. Die „kleinen Dinge“ bieten oft mehr Unterhaltung
und Gesprächsstoff.
Nur einige Beispiele: Abenteuer der Pflanzenwelt im Böhmerwald,
Spuren verschwundener „böhmischer Dör-fer“, ein
leeres Schloß voll Literatur, Besuch einer Prager Zeitungsredaktion,
Begegnung mit einer deutsch-jüdischen Ärztin in Mähren,
Gespräche
über soziale Problemfelder mit einem Pfarrer in Westböhmen...
Das kommt der „dritten“ Urlaubsphase unserer Gäste zugute:
dem Erinnern und Erzählen zu Hause. Unsere Reisen haften länger
im Gedächtnis als ein „normaler“ Urlaub. Das spüren
wir z.B. beim Nachtreffen an unse-rem „Böhmischen Abend",
zu dem jährlich über 100 Reisende aus ganz Deutschland zusammenkommen. |
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