Literarisch
Reisen: Wandern in Polen / Masuren + Danzig
Von weiten Horizonten
Eine LiteraTour
zwischen Masuren und Bernsteinküste
Ein Land, wo der Himmel über den grauen Dörfchen so hoch ist wie am Meer, wo jedes Dorf einen See besitzt und wo es so viele Seen gibt, dass manche keinen Namen haben. In Masuren prägt die Natur den Menschen und nicht umgekehrt. Und doch hat dieses stille Land mehr zu bieten als Wälder und Wasser. Aus seinen einfachen Forsthäusern und Städtchen kamen große Autoren wie Arno Holz, Ernst Wiechert, Siegfried Lenz und Wolfgang Koeppen. Schwermütig oder humorvoll lassen sie das alte Masuren noch einmal lebendig werden.
Unsere literarischen Streifzüge verbinden Natur,
Geschichte und Literatur. Auf Kähnen und Schiffen, vor allem aber
zu Fuß, entdecken wir ein schwermütig schönes Land jenseits
des Horizonts.
Und wir treffen Menschen, welche die alte und die neue
Geschichte dieses faszinierenden Landes (re)präsentieren.
Die Reise veranstalten wir seit 2004.
Teilnehmerzahl: 8 bis 18,
2 Reisebegleitungen
Reiseverlauf Kultur-Wandern in Masuren
Fr.: Anreise.
Sehen Sie bitte die Beschreibung unten: „Wie komme ich nach Masuren?“ .
Sa.: Warschau - Treffpunkt Bhf. Centralna, 10.35 h
= Ankunft des Nachtzuges mit Schlafwagen aus Köln (ab 22.28 h) bzw. München (ab 19.00 h) bzw. Basel (ab 18.04 h)
Arthur Schnabl und Iwona Buckowska empfangen Sie am Bahnsteig.
(Falls Sie per Flug nach Warschau kommen und/oder dort übernachten wollen, siehe unten "Wie komme ich ...".)
Die Warschauer Altstadt war 1945 völlig zerstört. Ihre Rekonstruktion gilt als Meisterleistung der Denkmalsanierung. Sie wurde unter anderem von der UNESCO mit dem Prädikat „Weltkulturerbe“ gewürdigt. Natürlich kann Ihnen unsere Reiseleiterin Iwona viele Geschichten zu ihrer Heimatstadt erzählen.
Um 15.10 h geht ein Direktzug weiter nach Olsztyn/Allenstein (an 18.45 h), von wo Sie ein Charterbus in ca. 1 Stunde zum Quartier bringt. Wir wohnen bei Frau Nosek in der Pension Habenda, direkt am schönsten Fluss Masurens, der Krutynia.
So.: „Wälder und Menschen“– die Johannisburger Heide
Eine Wanderung (12 km, flach) durch das große Waldrevier der Johannisburger Heide zum einsamen Forsthaus Kleinort / Piers³awek macht uns mit den wundervollen Wäldern und Seen Masurens bekannt; und mit dem bedeutendsten Schriftsteller Masurens, Ernst Wiechert, der hier aufwuchs.
Am Abend wird unsere Wirtin, wenn sie guter Laune ist, in bräiitem Ostpreußisch „Geschichtchens“ erzählen.
Mo.: Der Gang der Geschichte – Rößel, Rastenburg und Sorquitten
Die masurischen Städtchen wurden in zwei Kriegen zerstört. Wenigstens im hübschen Reszel / Rößel hat sich die alte Atmosphäre erhalten. In Kêtrzyn / Rastenburg, der Geburts-stadt von Arno Holz, dem Vater des Naturalismus, treffen wir einen agilen Pastor, der viel zu erzählen hat. Auf dem Heim-weg begegnen wir in Sorquitten Masurens feudaler Vergan-genheit. Und in der skurrilen Kirche unerwartete Bauern-Fröhlichkeit.
Di.: War Suleyken so zärtlich?
Mit dem Bus ins östliche Masuren nach E³k / Lyck, das seinen Ruhm dem hier geborenen Siegfried Lenz verdankt. Hier beginnt unsere Suche nach dem mythischen Dörfchen Suleyken. Wo liegt die Heimat von Hamilkar Schas und seinen versponnenen Landsleuten? Eine heitere Wanderung über Moränenhügel und durch liebliche Wiesen, vorbei an namenlosen Seen und durch vergessene Dörfer, lüftet das Geheimnis. (ca. 13 km)
Am Abend beziehen wir dann unser zweites Quartier. Schöner als die Ranch Kietlice kann eine Unterkunft kaum liegen. In einer einsamen Heidelandschaft am Mauersee / Jez. Mamry, nur einige Kilometer von der Steinorter Land-zunge entfernt. Die Halbinsel Sztynort gehört zu den schöns-ten Landschaften Masurens.
Mi.: Zeitenende – Wolfsschanze und Steinort
Nicht etwa düstere Felsen sind es, die sich im Wald bei Rastenburg verbergen, sondern die Bunker des ehemaligen „Führerhauptquartiers Wolfsschanze“. Ein faszinierender Fachmann zeigt uns die Stelle, an der das Attentat auf Hitler fehlschlug. Danach tuckern wir auf einem Kahn über Seen und Kanäle zum verfallenen Schloss Steinort, dessen Besitzer Heinrich von Lehndorff ein Mitverschworener des 20. Juli war. Marion Gräfin Dönhoff hat das Leben, das einst dort herrschte, eindrucksvoll beschrieben. – Durch eine vierhundertjährige Eichenallee wandern wir dann nach Hause. (4 km)
Do.: Masurisches Glück – Ruhetag
Jetzt ist es an der Zeit, in Ruhe die Umgebung unseres Quartiers zu erkunden und die Seele nach Lust und Laune baumeln zu lassen: am See sitzen, Boot fahren, durch die Wiesen stromern oder das lebendige Städtchen Gyzicko / Lötzen am drüberen Ufer besuchen.

Am Abend nehmen wir (ungern) Abschied von Masuren.
Fr.: Weltwunder aus Ziegel: die Marienburg
Weiterfahrt mit dem Zug an die Ostsee, ans Frische Haff. Unterwegs besuchen wir Malbork, das ehemalige Marienburg mit der berühmtesten Burg Ostpreußens. Das einstige Zentrum des Deutschritterordens ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Dann spüren wir schon die Salzluft der Ostsee. Unser nettes Quartier liegt auf der Landzunge der Frischen Nehrung im Badestädtchen Krynica / Kahlberg, nur einige hundert Meter vom Strand und Haff.

Sa.: Die Revolution des Domherrn: Frauenberg
Je nach Jahreszeit fahren wir entweder mit der Fähre über das Frische Haff oder mit dem Bus in einen Ort, der das europäische Denken veränderte: im kleinen Frauenberg / Frombork mit seinem grandiosen Backsteindom wagte der Domherr Nikolaus Kopernikus als erster, die Erde aus dem Himmelszentrum zu entfernen. Dagegen scheint im kleinen Fischerdörfchen Tolkemit die Zeit stehen geblieben zu sein.
So.: Wanderung an der Bernsteinküste
Bei einer besinnlichen Strandwanderung an der sogenannten Bernsteinküste (8 km) atmen wir die Weite der Ostsee, sehen Fischern bei der Arbeit zu und finden vielleicht die „Schweißtropfen der Sonne“, die der Küste ihren Namen gaben. Während unserer Rast sehen wir am Ende sogar durch einen löchrigen Zaun nach Russland.
Mo.: Die Königin der Ostsee – Danzig/Gdansk
Nachdem wir am frühen Vormittag das Gepäck in der Aufbewahrung am Bahnhof abgegeben haben, bleibt nochmals Zeit für ein großes Stadterlebnis: Es ist unglaublich, dass die Danziger Innenstadt 1945 zu 90% zerstört war. Inzwischen ist die „Königin der Ostsee“ so naturgetreu wiederaufgebaut, dass man „Die Buddenbrooks“ hier drehte. Die Stadtführerin Magda zeigt uns, wie engagiert und liebevoll eine junge Danzigerin mit den historischen Schönheiten der Stadt umgeht ...
Um 14 h ist die Reise zu Ende.
Die Reiseleiter begleiten Sie zum Bahnhof.
Die einen werden gleich den Zug um 15.30 h nach Posen nehmen, von wo Sie um 21 h ein Nachtzug mit Schlafwagen nach Hause bringt, z.B. im Kurswagen direkt nach Köln oder München oder Frankfurt oder Freiburg ...
Andere wollen vielleicht in Danzig verlängern.
(Genaueres siehe unten!)
Ihre Reisebegleitung auf der Masuren-Wanderung
Arthur Schnabl Die Lust unseres Literaturexperten
auf neue Litera-Touren beschränkt sich nicht mehr nur auf Böhmen.
So hat er nun Masuren und die Ostseeküste erkundet und neben Bernstein
auch viele große Autoren gefunden.
Iwona Buckowska sorgt dafür, daß
Sie nicht nur die Dichter in Polen kennenlernen. Sie hat in Warschau
Germanistik studiert. Aber als Naturfreundin ist sie den Sommer über
meistens in Masuren und anderen Gegenden, um Gästen ihr schönes
Land zu zeigen.

Wie komme ich nach Masuren?
Wir empfehlen An- und Rückreise mit der Bahn. Es geht aber auch per Flug, Auto oder Bus. Preisgünstige Nachtbusse nach Polen bietet: www.deutsche-touring.com, Tel: 069-7903-50.
Die Hotels haben (meist gering kostenpflichtige) Parkplätze.
Bei einer Bahnfahrt empfehlen wir frühzeitige Buchung (ab 3 Monate vor Reisebeginn), damit Sie ein Sparpreisticket (beschränktes Kontingent) erhalten. Auf Wunsch helfen wir bzw. unser Partner Kopfbahnhof in Berlin bei der Besorgung der günstigsten Fahrkarte.
Anfahrt (Freitag nachts im Schlafwagen):
Wir empfehlen den Nachtzug: Amsterdam – Köln (ab 22.28 h) – Dortmund (ab 23.56 h) - Hannover (ab 2.38 h) – Berlin (ab 4.23 h) – Warschau Centralna (an 10.35 h).
Aus dem Süden gibt es einen Kurswagen, der sich ohne Umstieg dem Zug anschließt: München (ab 19 h), Nürnberg (21.35 h), Fulda (23.43 h).
Und aus dem Südwesten von Basel über Freiburg (19.04), Karlsruhe (20.18 h), Frankfurt (22.18).
(Zwischen den genannten Stationen sind viele weitere Einstiegmöglichkeiten.)
Weiterfahrt in Warschau in die Masuren um 15.10 h, ab Warschau Centralna. (Die Weiterfahrt ab Warschau organisieren wir. Sie ist schon im Reisepreis enthalten!)
Für die Hinfahrt nach Warschau gibt es bei frühzeitiger Buchung günstigste Fahrpreise unter 40 €
Schlafwagen, 3er Abteil: + ca. 30 €, 2er Abteil: + ca. 45 €
Sollten Sie per Flug nach Warschau anreisen (günstige Flüge gibt es z.B. von Frankfurt, Köln, Stuttgart, München), müssten Sie bitte am Samstag bis 14.45 h zum Bahnhof kommen.
Es verkehren viertelstündlich Busse zwischen Flughafen und Bahnhof, Fahrzeit ca. 30 Minuten. Ein Taxi (ca. 20 Minuten) kostet etwa 10 Euro.
Übernachtungsmöglichkeit in Warschau gibt es z.B.
1 km vom Bahnhof, im großen 4-Sterne-Hotel Jan III Sobieski, zu buchen über www.sobieski.com.pl/de
(Preis: EZ mit Fr. ca. 90 €, DZ mit Fr. ca. 100 €)
Rückfahrtempfehlung von Danzig:
Danzig ab: 15.30 h, Posen an: 20.10 h.
Von Posen geht um 21.01 h ein Nachtzug mit Schlafwagen über Berlin (an 0.29 h), Hannover (2.15 h), Dortmund (4.50 h), Köln (6.14 h)
bzw.
mit Kurswagen über Fulda (4.50 h), Würzburg (5.34 h), Nürnberg (6.44 h) nach München (9 h)
bzw.
mit Kurswagen über Frankfurt (6.54 h), Freiburg (9.39 h) nach Basel (10.27 h)
Bei frühzeitiger Buchung gibt es auch günstige Flüge von Danzig z.B. nach Frankfurt, Bremen, Düsseldorf, München.
Weiteres im Anschreiben

Verlängerung in Danzig?
Ein halber Tag für Danzig ist natürlich sehr wenig Zeit.
Wir empfehlen das klassisch-gepflegte
altstadtnahe und doch relativ preisgünstige Hotel „Dom Muzyka“.
Sie können dort unter
www.dom-muzyka.pl/index_d.php
Zimmer reservieren.
(DZ mit Frühstück: ca. 90 €; EZ: ca. 65 €).
Leistungen
Wandern in Masuren
* 9 Übern. mit Halbpe. in angenehmen Häusern,
(alle Zi. mit Du/WC; sehr gutes Essen)
* 2 kompetente Begleitpersonen
* Fahrten in Polen ab Mragowo bis Gdansk
* alle Tickets, Eintritte, Lesungen, Kulturprogamme
* ausführliches Info- und Lesematerial |
Aus dem Reisetagebuch einer Mitreisenden: U.D.,
2004
„... hat der Wirt uns noch zu einem morgendlichen
Spaziergang in die Umgebung seiner abgelegenen Pension eingeladen.
Einige von unserer Reisegruppe verabreden sich, mit ihm zu gehen.
Auf der Pirsch in Masuren
Graues Licht im Morgennebel. Über feuchte Wiesen
folgen wir unserem Anführer zum Wasser. Am Kanalufer entdecken
wir die Spuren der Biber. Wie mit einer Axt gehackt, frische Nagespuren
fast bis zur Mitte der Jahresringe an einem noch lebenden, noch aufrecht
stehenden Baum. Wenn wir gegangen sind, wird der Biber sein Werk vollenden.
Der Baum wird mit erstaunlicher Präzision in die Richtung fallen,
die seinen Bedürfnissen entspricht. Wir bekommen eine Ahnung von
den Geheimnissen der Natur. Schützt der Biber? Und was ist mit
den Bäumen? Was bedeutet Naturschutz? Von
irgendwoher dringen wilde Schreie aus dem Morgendunst. Schreie, die
das Herz merkwürdig zusammenziehen. Ein Gefühl zwischen Freude
und Trauer. Immer wieder im Herbst und im Frühling ziehen die
Kraniche. Von der nördlichen Heimat in die südliche Heimat
und wieder zurück. Immer zwischen Fernweh und Heimweh. Wir stapfen
fröstelnd weiter einen Hüge hinauf und vertreiben ein Rudel
Rehwild. Der frühe Morgen gehört sonst den Tieren. Der Mensch
stört.
Der Anführer steht plötzlich still. Wir sollen uns ruhig verhalten.
Er deutet auf das dunkle Gebüsch vor uns in der Senke. Durch den
Nebel schiebt sich ein großer schwarzer Schatten. Wir starren wie
gebannt, wagen nur zu flüstern. Das Tier nähert sich dem Gebüsch.
Obwohl die Entfernung zu weit ist, das Licht zu diffus, muß ich
es versuchen. Vorsichtig visiere ich an, den Finger am Abzug. Kurz bevor
das Phantom entschwindet, drücke ich ab. Der Elchbulle ist nicht
mehr zu sehen. (Nachtrag: Was blieb, ist ein kleiner schwarzer Fleck
auf einem belanglosen Foto und - die Erinnerung.)“
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